Im Fokus meiner künstlerischen Arbeit steht der Bezug von Material, Körperlichkeit und Raum. Mir geht es um den Moment an sich – um das, was unmittelbar präsent ist. Die Art der Berührung von Elementen, die Spannung durch das Nicht-Berühren, der entstehende Rhythmus aus Wiederholungen, Zwischenräumen und Kontaktflächen. Mich interessieren die Materialien selbst: ihre Formen, Farben, die Räume und deren Bezüge unter- und zueinander. Zur Untersuchung löse ich sie aus ihren zweckgebundenen Zusammenhängen, um ihre bildhauerischen Qualitäten zu ertasten und sie in neuen Kontexten zu denken. Das Denken erfolgt hierbei mit dem Körper - Fingerspitzengefühl, die eigene Kraft, das Biegen, Brechen, Rollen, Quetschen, Dehnen, Ziehen (…). In den dabei entstehenden Momenten suche ich nach einer nahbaren körperlichen und emotionalen Resonanz. Mich fasziniert, wie kleinste Nuancen bei der nötigen Aufmerksamkeit einen so großen Unterschied in der Qualität von Bewegung oder Berührung erzeugen können. Ich suche nach Formen, in denen diese Momente Raum finden. Dabei spielen vor allem Ruhe als Ausgleich zur Bewegung – also Konsonanz zu Dissonanz, Rhythmus und Arrhythmus, Wiederholung und Abweichung – eine entscheidende Rolle. In meiner Arbeit steht die intuitive Unmittelbarkeit der Wahrnehmung und Ausführung stets über der kognitiven Planung und Aneignung. Ein stilles, aufmerksames Ausloten materieller, körperlicher und räumlicher Verhältnisse.
Stopfen Stecken Quetschen Knautschen Dehnen Ziehen
Materialien - deren Haptik, Farbe, Form und Geschichten faszinieren mich in ihrer Vielseitigkeit und sind Ausgangspunkt meiner kuenstlerischen Arbeit. Hierzu loese ich Objekte aus ihrem zweckgebundenen Zusammenhaengen, um ihre Beschaffenheit zu untersuchen und sie in neuen Kontexten zu denken. Ich kombiniere Materialien und Gegenstaende mit kontraeren Materialien, um ihren haptischen Charakter zu betonen. So werden zum Beispiel kalte, kantige Objekte aus der Industrie mit weichen, organischen Stoffen und Formen gekoppelt und erzeugen in diesem Kontrast eine Spannung, die den Fokus der Betrachter*innen auf die Eigenheiten der Materialien lenkt.
Der Bezug zur Koerperlichkeit und das physische Involviertsein durchziehen sowohl meine Prozesse als auch die dabei entstehenden Arbeiten. So spielt neben dem Zusammenfuegen, Anhaeufen, Neudenken und Umformen von Material und Objekt auch das klassisch skulptural und plastisch bildhauerische Arbeiten fuer mich eine Rolle - der eigene Koerpereinsatz, meine Kraft, der Bezug zum Material.
Die koerperassoziativen Momente meiner Arbeiten spiegeln diesen Bezug wider. Diese bewegen sich zwischen schlichten und abstrakten Formen, gepraegt von einer stillen Genauigkeit und klar bildhaften Objekten, die humoristische Tendenzen aufzeigen.
LOUISA KAFTAN
